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Prinz von Lobkowicz

Liebe Betrachter dieser Ausstellung,

das Turiner Grabtuch prägt meine Vorstellung vom Antlitz unseres Herrn, seit ich vor bald 50 Jahren im Arbeitszimmer eines Jesuiten-Onkels dieses erhabene Antlitz mit den Blutspuren auf dem Grabtuch als Kopie an einer sonnenbeschienenen Wand hängen sah.

Ein gefolterter Leidensmann war gut sichtbar zu erkennen, aber welch ein königliches Antlitz, ernst, vornehm und erhaben.

Dieses Antlitz hat mich damals tief berührt – und es berührt mich heute.
Mir ist klar, dass gerade in unserem Land der Skeptiker viele sind. Seitdem mir das Antlitz von Turin bekannt ist, las ich in den vergangenen Jahren immer
wieder Überschriften wie »Turiner Grabtuch – eine Fälschung!«, um oft im selben Blatt, bald darauf den Titel zu finden: »Turiner Grabtuch – vermutlich echt!« Mich haben diese Spekulationen nie besonders beeindruckt, weil mich die Botschaft dieses Bildes erreicht hat – und darin der, den dieses Blutbild darstellt.

Mir jedenfalls scheint es hilfreich, mir vorzustellen, dass unser Herr so ausgesehen hat.

Unser Glaube ist etwas Geschichtliches. Und auch wenn es heute zum guten Ton gehört, Reliquien intellektuell spöttelnd zu begegnen, so sind sie doch auch ein mit den Sinnen erfassbarer, greifbarer und sichtbarer Teil unserer zweitausendjährigen Geschichte.

Unser Gott ist eben Mensch geworden und am Kreuz gestorben, als Sühne für all unsere Sünden. Und von den Grabtüchern berichten schon die Evangelien. Wie unwahrscheinlich, dass diese nicht aufgehoben worden wären. Diese wunderbare Ausstellung sahen wir zuerst in Jerusalem. Und wussten damals schon, dass wir sie in Deutschland zeigen wollen, weil sie eine großartige haptische Glaubensverkündung und Glaubensvergewisserung ist. Nach nunmehr erfolgter inhaltlicher Abstimmung mit der Erzdiözese Turin wollen wir weitere Ausstellungen im nahen und fernen Ausland auf den Weg bringen. Ich freue mich, dass uns die Ausstellung Gelegenheit gibt, in diesem Sinn die Botschaft vom Tod und der Auferstehung Jesu Christi auf neue Weise zu sehen und zu hören.

Mein herzlicher Dank gilt allen, die dies unter großen Mühen möglich gemacht haben!


Dr. Erich Prinz von Lobkowicz
Präsident der Deutschen Assoziation des Souveränen Malteser Ritterordens