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Die Wunden

Mit dem ersten Foto des Grabtuchs von Turin wurde das Grabtuch im Jahr 1898 dem modernen Menschen neu an die Hand gegeben. Erst die Fotografie des Tuchs ermöglichte es, die unzähligen Informationen des Grabtuchs mit den Me-thoden moderner, wissenschaftlicher Studien zutage zu fördern. Ein Prozess, der bis heute andauert und von zahllosen Diskussionen begleitet ist.

Es waren Ärzte, die das Tuch nach den ersten Fotografien mit als erste examiniert und nach und nach erkannt haben, was der „Mann auf dem Tuch“ alles hat erdulden müssen.

Das Grabtuch von Turin lässt den Leichnam eines ungefähr 1.80 m großen, athletisch gebauten Mannes mit langem Haar und Bart erkennen. „Der Mann auf dem Tuch“ ist nackt, er hat angewinkelte, verschränkte Arme, seine Hände bedecken die Scham. Der Mann besitzt alle Merkmale eines Gekreuzigten: Die Körperhaltung wirkt steif und unnatürlich. Sein Kopf ist nach vorne
gebeugt, der Brustkorb trotzdem gedehnt. Sein rechtes Bein ist ausgestreckt, das linke leicht angewinkelt. Die Füße scheinen aufeinander gelegen zu haben. Die Wunden des Toten sind die Wunden eines gegeißelten und ans Kreuz gena-gelten Menschen.

Geißelung

Schon auf den ersten Blick erkennt man am ganzen Körper, vor allem am Rücken und an den Oberschenkeln, hantelförmige Wundmale. Über 120 solcher Wunden lassen sich zählen: Spuren einer Geißelung.

Die furchtbare Strafe einer Geißelung sollte im Altertum vor allem die abschreckende Wirkung einer Verurteilung verstär-ken. Eine Geißelung verhängten die Römer entweder als Einzelstrafe oder als zur Kreuzigung gehörige Vorstrafe. Dabei war die Anzahl der Geißelhiebe allein durch die Notwendigkeit begrenzt, dass der Verurteilte die Kreuzigungsstätte lebend erreichen sollte. Die Geißelung wurde noch im Gericht mit dem sogenannten „flagrum“ vollzogen. Es gab verschiedene Arten der römischen Geißelung. Unter anderem war es üblich, den Verurteilten nackt mit den Händen an eine niedrige Säule zu fesseln. Sein Rücken blieb so gebückt.  Oft schlugen zwei oder mehr Henker von beiden Seiten des Körpers mit Geißeln auf den
Verurteilten ein. Tatsächlich lässt das Grabtuch erkennen, dass die Geißelhiebe im Wesentlichen aus zwei Richtungen geschlagen wurden. Unversehrt blieben beim „Mann auf dem Tuch“ nur die Unterarme und
die Hände.

Beim „Mann auf dem Tuch“ schreibt man die Wunden einer Geißelart zu, die aus mehreren Riemen, versehen mit doppel-ten, miteinander verbundenen Metallkugeln bestand. Als Geißelhieb verursachten solche Endstücke Schürfungen, Bluter-güsse und Platzwunden.  Nach einer schweren Geißelung drohte durch Blut-, Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Protein-Verlust ein heftiger, traumatischer und hämorrhagischer Schock, was ohne weiteres den Tod zur Folge haben konnte. Auf der rechten und der linken Schulter des „Mannes auf dem Tuch“ sind Schürfwunden angedeutet, die Geißelwunden sind an diesen Stellen breiter und flacher. Möglicherweise wurden sie durch den Druck und die Reibung eines schweren Gegen-standes hervorgerufen. Dabei liegt es nahe, an den Kreuzweg eines Verurteilten zu denken. Als weitere Zusatzstrafe konn-te nämlich ein zum Kreuz Verurteilter gezwungen werden, den Querbalken des Kreuzes („patibulum“) auf seinem Rücken zur Hinrichtungsstelle zu tragen. Ein solcher Querbalken war zwischen 50 kg und 80 kg schwer und meist aus kantigem, unregelmäßigem Holz gezimmert.

Wie viele Hiebe die Henker dem „Mann auf dem Tuch“ zugefügt haben, lässt sich aus den über 120 Geißelmalen alleine nicht schließen, ohne die Geißel und die Anzahl ihrer Riemen zu kennen. Klar wird aus der Zahl der Geißelmale nur, dass es sich wohl um eine römische und nicht um eine jüdische Geißelung gehandelt haben muss. Entsprechend der jüdischen Gesetzgebung war eine Geißelung nämlich auf vierzig Peitschenhiebe begrenzt. Eine jüdische Geißelung durfte nur in einer Synagoge stattfinden.

Zieht man die traumatologischen Folgen dieser vielen Geißelwunden in Betracht, wird man auf eine römische
Geißelung schließen können, wegen ihrer Intensität nicht aber als übliche Vorstrafe innerhalb einer Kreuzigung,
sondern als Einzelstrafe. „Der Mann auf dem Tuch“ hat wohl beides erleiden müssen, eine besonders heftige
Geißelung und die Kreuzigung.
            
Auf der Suche nach einer antiken Quelle, die diesen besonderen Grabtuch-Befund erklären könnte, stößt man auf das Neue Testament. Die vier Evangelien sind sowohl eine antike Primärquelle als natürlich auch ein Glaubenszeugnis. Die Evangelien wurden zwischen ca. 70 und 100 n. Chr. schriftlich verfasst.

Gerade aber der jüdisch-christliche Glaube legt besonderen Wert auf geschichtliche Ereignisse, um Gottes Selbstoffenbarung und sein Handeln als in unserer Zeit und Welt tatsächlich Geschehenes festzuhalten. Und so wäre zu prüfen, ob es nicht eine Wechselwirkung geben kann, indem die Evangelien den Befund des Grabtuchs erhellen und umgekehrt das Grabtuch die Aussa-gen der Evangelien zur Passion Jesu erhärten und näher heranrücken könnte.

Nun berichtet der Evangelist Johannes von einer Geißelstrafe für Jesus von Nazareth, verhängt von Pontius Pilatus. Jesus sollte eine Geißelstrafe als Einzelstrafe verbüßen, um auf diese Weise den Hohen Rat der Juden und das Volk zu beschwichtigen und sie so von ihrer Kreuzigungsforderung abzubringen. Nach einer heftigen Geißelung wollte Pilatus Jesus von Nazareth nämlich freigeben.

„Darauf ließ Pilatus Jesus geißeln. [...] Als die Hohenpriester und ihre Diener ihn sahen, schrien sie: Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm! Pilatus sagte zu ihnen: nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen.“ (Joh 19,1-6)

Zum Zustand eines von schwerer Geißelstrafe gemarterten Menschen würde ohne Zweifel passen, was die Synoptiker berichten: Jesus muss auf seinem Kreuzweg derart geschwächt gewesen sein, dass die römischen Soldaten einen zufällig daher kommenden Mann zwangen, das Patibulum eine Zeit lang für Jesus zu tragen. Aus Mitleid werden sie dieses bestimmt nicht getan haben - sie wollten Jesus gerade noch lebend nach Golgota bringen (Lk 23,26; Mk 15,21; Mt 27,32).

„Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie Simon, einen Mann aus Kyrene, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage.“ (Lk 23,26)

Handwunden


Der „Mann auf dem Tuch“ wurde an seinen Händen und Füßen ans Kreuz genagelt. Der linke, obere der beiden überkreuz-ten Arme lässt eine im Durchmesser etwa 1 cm große, tiefe Wunde an der Handwurzel erkennen. Eine starke Blutspur beginnt am linken Handgelenk und verläuft über den ganzen Unterarm, eine andere schlängelt sich über den rechten Un-terarm. Nun beschreibt das Grabtuch hier mit der Handwurzel einen anatomischen Ort für die Nagelwunde, der einmal mehr der ikonographischen Tradition widerspricht.

Üblicherweise wurde über Jahrhunderte in Darstellungen die Handwunde in der Mitte des Handtellers platziert. Tatsäch-lich hätte, wie die meisten Gerichtsmediziner postulieren, der Handteller das Gewicht eines gekreuzigten Leibes gar nicht tragen können, ohne zu reißen. Und wirklich muss man bei einer Position des Gekreuzigten mit einem Winkel von in 45 Grad ausgestreckten Armen davon ausgehen, dass auf jede Hand eine Zugkraft wirkt, die einem Gewicht von mehreren Zentnern entspricht.

Diesem Befund entsprechend, zeigt das Grabtuch eine anatomisch logische Position der Nagelwunde: Hier wurde ein Nagel zwischen die erste und zweite Reihe der Handwurzelknochen getrieben, wo er wie in einem Trichter aus Knochen festen Halt finden konnte.

Ihren Ursprung hat die traditionelle Darstellung der Nagelwunden im Handteller Jesu wohl in den Evangelien des Lukas (24,39f) und des Johannes (20,25).  Beide verwenden für die Hände Jesu das griechische Wort: „cheir“ (hier: „cheiras“ = Akk. Plural) Es konnte im Griechischen sowohl die Hand als auch den ganzen Arm bezeichnen.

 

„Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst.“
(Lk 24,39)

„Die anderen Jünger sagten zu Thomas: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ 
(Joh 20,25)

 

Fußwunde

Die rechte Fußsohle des „Mannes auf dem Tuch“ lässt eine stark blutende Wunde und einen kleinen, rechteckigen Fleck erkennen. Wahrscheinlich das Mal eines Nagels, der von vorne durch beide Füße getrieben wurde, zwischen die Mittelfuß-knochen hindurch.

Im Johannes- und im Lukas-Evangelium zeigt der Auferstandene den Jüngern zum Beweis seiner Identität – der Kreuzestod ist deren notwendiger Teil – die Wunden seiner Hände und Füße und die Wunde seiner Seite. (Joh 20,25ff; Lk 24,36-40).

„Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben.“ (LK 24,36-41)

Eine förmliche Verurteilung zum Kreuzestod bedeutete die Befestigung des Delinquenten am Querbalken des Kreuzes, und nicht die Fesselung bloß an einen senkrechten Pfahl (stipes), wie es bei Massenhinrichtungen oft der Fall war. Der zum Kreuz Verurteilte musste nicht selten den Querbalken (patibulum) selbst zur Hinrichtungsstätte schleppen, wo der senk-rechte Pfahl bereits im Boden verankert war. Der Querbalken wurde mit dem zuerst nur an den Handgelenken festgenagel-ten oder festgebundenen Gekreuzigten den senkrechten Pfahl entlang nach oben gezogen und meistens am obersten Ende des Pfahls befestigt. Erst dann nagelte man die Füße an.

Dem einzigen archäologischen Jerusalemer Knochenfund einer Kreuzigung zufolge konnten die Nägel offenbar auch einzeln von den Seiten durch die Füße in den Längsbalken getrieben werden. Es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass man in anderen Fällen die Füße des Delinquenten aufeinanderlegte und mit einem einzigen Nagel von vorne an den Pfahl schlug, wie es die Position und die Wunde der Füße des Mannes auf dem Grabtuch nahelegt. Zur Linderung der eintretenden Atemnot und zum Sprechen wird sich ein Gekreuzigter wohl auf den angebundenen oder angenagelten Füßen aufgerichtet haben, um dann erneut aus Schmerz und Erschöpfung in die Spannung des Oberkörpers und den Schmerz der Handwunden zurückzusinken.

In allen vier Evangelien wird von den Worten Jesu am Kreuz berichtet (Mt 27,46; Mk 15,24; Lk 23,43ff und Joh 19,26ff). Der traumatologische Befund des „Mannes auf dem Tuch“ genügt, um sich vor Augen zu halten, was Jesus seine „Worte am Kreuz“ allein physisch gekostet haben müssen.

„Bei dem Kreuz standen seine Mutter. (…) Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mut-ter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! (...) Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. (…) Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.“ (Joh 19,26-30)

 

Kopfwunden

Der „Mann auf dem Tuch“ zeigt klare Spuren von Kopf- und Gesichtsverletzungen. Das Gesicht des Mannes ist an Stirn und rechter Wange deutlich geschwollen. Auf der Stirn und am Hinterkopf sind zahlreiche kleinere Blutgerinnsel erkennbar. Mindestens dreizehn punktförmige Stichwunden sind auf dem Hinterkopf bis zum Haaransatz der Stirne verteilt. Beson-ders deutlich wird eine große Blutspur in Form einer spiegelverkehrten „3“ auf der Stirne.  

Ein haubenartiger Gegenstand mit scharfen Spitzen würde wohl für die Wunden verantwortlich gewesen sein. Sehr wahr-scheinlich trug der Mann eine fest an den Kopf gedrückte Haube aus Dornengestrüpp.
Tatsächlich kannte man im antiken Nahen Osten Kronen nicht als Reif oder Kranz, sondern nur als Prunkhauben.

Immer wieder wurde vermutet, ein mittelalterlicher Künstler habe mit dem Grabtuch den Gekreuzigten als Schau-Devotionalie abbilden wollen (vgl. „Bildanalyse“; „Blut, Staub, Mineralien“; „Datierung“). Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass in der christlichen Kunst vor der Gotik der Gekreuzigte in der Regel barhäuptig, also ganz ohne Dornenkrone, dargestellt wurde. Wollte man überhaupt von einem künstlerischen Akt ausgehen, wäre die bildli-che Beschreibung einer Prachthaube durch Wundmale vor etwa 1350 ikonographisch völlig untypisch. Auch nach 1350 gilt das gleiche Prinzip, mit dem Unterschied, dass ab diesem Zeitpunkt die Ikonografie (= bildnerisch übliche Tradition) wohl eine Dornenkrone zeigte, aber meistens als Dornenreif und fast nie als Haube.

Die älteste verfügbare Quelle zur Deutung der auf dem Grabtuch abgebildeten, für eine römische Kreuzigung gänzlich ungewöhnlichen und sonst nirgends dokumentierten Dornenkrönung, ist bis jetzt wiederum das neutestamentliche Evange-lium. Der Evangelist Johannes berichtet, dass Jesus von Nazareth von den Römern als „König der Juden“ zur Kreuzigung verurteilt und unter Schlägen ins Gesicht mit einer Dornenkrone verspottet wurde.

„Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie stellten sich vor ihn hin und sagten: Heil dir, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht. Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keinen Grund finde, ihn zu verurteilen. Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, da ist der Mensch!“   
(Joh 19,2 - 5)

 

Brustwunde

Auf der rechten Seite des „Mannes auf dem Tuch“ befindet sich zwischen der fünften und sechsten Rippe seine größte und bei weitem blutreichste Wunde. Sie ist 4,5 cm mal 1,5 cm groß und macht den Eindruck einer von einer Speerspitze verur-sachten Stich- oder Schnittwunde. Das bei einem solchen Stoß durch die rechte Brustkorbwand ausgetretene Blut verur-sachte nicht nur den Fleck an der rechten Seite des Brustkorbs, sondern floss als Blutrinnsal von der rechten Seite über den Rücken bis zu den Lenden („Blutgürtel“). Dieser Blutfluss entstand wohl während oder nach der Abnahme vom Kreuz.

Die von der Brustwunde ausgehenden Blutflecken weisen alle einen hellen Rand auf. Offenbar hatte sich das Blut bereits abgesetzt, das heißt, es hatte sich in einen Anteil mit den Blutkörperchen und in einen anderen Anteil mit dem wässrigen Blutserum getrennt. Es muss eine große Menge solchen korpuskularen, auffällig roten Blutes samt dem davon getrennten Serum gewesen sein. Erst nach dem Tod eines Menschen erfolgt die Scheidung des Blutes in zwei Blutanteile. Es ist dann „postmortales“ Blut.

Somit macht dieser Grabtuch-Befund deutlich, dass der Lanzenstich erst dem toten „Mann auf dem Tuch“ zugefügt wurde.  Auch hier scheint eine Besonderheit vorzuliegen: Dem „Mann auf dem Tuch“ wurde die Leidenszeit weder durch das Zer-schlagen der Beine verkürzt, noch wurde ihm durch einen Stich in den Brustkorb der schnelle „Gnadenstoß“ versetzt; hier diente der Lanzenstich offenbar der Vergewisserung, dass der Mann bereits gestorben war.
    
Wieder bietet sich zur Deutung dieses Phänomens das Johannes-Evangelium an. Johannes gibt Aufschluss: Damit die Juden durch den Anblick Sterbender und Toter nicht unrein würden und das nahende Pascha-Fest feiern durften, beschleunigten die römischen Soldaten auf Bitten der Juden den Tod der Gekreuzigten auf Golgota durch das Zerbrechen ihrer Beine. Wie Johannes schreibt, war Jesus wider Erwarten aber schon gestorben. Um sich dessen zu vergewissern, stieß ein Soldat mit einer Lanze in Jesu Seite.

„Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr.“


Diese Darstellung wird vom Evangelisten Markus ergänzt. Markus berichtet, Jesu Tod sei schneller eingetreten als von Pilatus erwartet: „Pilatus war überrascht, als er hörte, dass Jesus schon tot sei. Er ließ den Hauptmann kommen und fragte ihn, ob Jesus schon tot sei.“ (Mk 15,44)

Traumatologischen und forensischen Untersuchungen zufolge hat der „Mann auf dem Tuch“ Unsägliches erlitten: Über-menschliche Anstrengung, unerträgliche Schmerzen, verschiedene Schockzustände, wahrscheinliches Ersticken, Kreislauf-versagen und ein Herzinfarkt mussten am Ende das Sterben dieses Mannes beschleunigt haben.