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Turiner Grabtuch

Geschichte

400-769 Edessa

400 
In der alten Stadt Edessa (heute: Sanli Urfa in der Türkei) erzählt man, der König Abgar (1. Jahr-hundert) habe von einem der Jünger Jesu ein Tuch mit dessen Abbild erhalten. (400 n. Chr.)Nach einer Überschwemmung entdeckt man das »von Gott geschaffene Bild« in einem der Stadttore. Es wird als »Sindon« (Grabtuch) oder »Tetradiplon« (doppelt, dann vierfach gefaltetes Tuch) bezeichnet.

630 
Der Arzt Smera berichtet dem Papst von dem Wunderbild, auf dem »der ganze Körper« Jesu zu sehen sei.

730
 
Im oströmischen Reich streitet man, ob man von Jesus und den Heiligen Bilder („Ikonen“) verehren darf. Die Anhänger des Bilderkultes berufen sich darauf, dass Jesus selbst sein Bild auf ein Tuch gedrückt habe. Sie setzen sich durch. Fortan wird ein längliches Tuch mit dem Bild Jesu (»Mandylion«) in jeder Kirche des Ostens gezeigt.

769 
Papst Stephan III. stellt bei einer Bischofssynode in Rom fest, dass man auf dem Tuch von Edessa »nicht nur das auf göttliche Weise verwandelte Gesicht des Herrn sehen kann, sondern auch den erhabenen Wuchs seines ganzen Körpers«.

944-1204 Konstantinopel

944 
lässt Kaiser Romanus die Stadt Edessa belagern. Seine Truppen ziehen erst ab, als ihre Bewohner das Tuchbild herausgeben. Am 16. August kommt es in Konstantinopel an.
In einer feierlichen Prozession wird es durch die Stadt geführt. Zuerst verehrt man es in der Hagia Sophia-Kathedrale, dann im Kaiserpalast. In einer Predigt beschreibt es der Erzdiakon Gregorios als »Abdruck des lebendigen Urbildes , eingeprägt vom Schweiß der Todesangst … das wahre Abbild Christ, verschönt durch die Tropfen, die seiner Seite entquollen ... Blut und Wasser dort, Schweiß und das Bild hier.«
Es werden Goldmünzen mit dem Christusantlitz geprägt.

971 
sucht der deutsche Kaiser Otto I. nach einer Braut für seinen Sohn. So schickt er den Kölner Erzbischof Gero zum Kaiser nach Konstantinopel. Dort wird ihm wohl das Grabtuch Jesu gezeigt. Zurück in Köln, lässt er das Gerokreuz anfertigen, das heute im Kölner Dom hängt. Es entspricht in allen Dimensionen exakt dem Abbild auf dem Tuch.

1150
kommt eine ungarische Delegation nach Konstantinopel. Die Hochzeit zwischen der Tochter des Kaisers Manuel II. und dem Erbfürsten Bela von Ungarn muss vorbereitet werden. Auch den Ungarn wird das Grabtuch gezeigt.  Später illustriert ein Kleriker der Delegation ein Evangelienbuch, den Codex Pray. Er malt die Grablegung Christ und die Auffindung des leeren Grabes nach den Vorgaben des Grabtuchs. 
Sogar die charakteristischen Brandlöcher sind zu erkennen.

1201
Nicholas Mesarites, der Verwalter des kaiserlichen Reliquienschatzes von Konstantinopel, beschreibt das dort verwahrte »Leichentuch Jesu«:  »Dieses ist aus Leinen ... und entging  jeder Zerstörung, da es den konturlosen, mit Myrrhe gesalbten, nackten Körper nach der Passion umhüllte ... hier wiederholt sich die Auferstehung.«

1204-1206 Athen

1204 
Beim Vierten Kreuzzug stürmen Franken und Venezianer Konstantinopel und berauben die Kaiserstadt ihrer kostbarsten Reliquien. Ein Chronist, Robert de Clari, berichtet: »Es gab noch eine Kirche, die sie St. Maria in den Blachernen nannten. Dort wurde das Sydoine (Sindon) verehrt, in das Unser Herr gehüllt war, und das jeden Freitag aufrecht aufgestellt wurde, sodass die Gestalt Unseres Herrn deutlich gesehen werden konnte. Und keiner, weder Grieche noch Franke, sollte je erfahren, wo das Sydoine verblieb, nachdem die Stadt eingenommen wurde.«Mikroskopaufnahme von Richard Meier aus dem Jahre 1983

Am 1. August 1205 schreibt Theodor Angelus, ein Neffe des gestürzten Kaisers an Papst Innozenz III. und beklagt sich über die Plünderungen in Konstantinopel: »Die Venezianer zogen ab mit Schätzen aus Gold, Silber und Elfenbein, während die Franken dasselbe taten mit den Reliquien der Heiligen und dem Heiligsten von allem, dem Lei-nen, in das Unser Herr Jesus Christus nach seinem Tod und vor der Auferstehung gehüllt war.«

1206-1355 Besancon

1206
Der Plünderer des Blachernen-Palastes, Graf Othon de la Roche, kehrt mit seiner Beute über Athen in seine Heimat zurück. Seitdem steht in seiner Burg Ray-sur-Saone  bei Besançon in Frank-reich, die heute ein Museum ist, eine hölzerne Tru-he. Sie trägt die Beschriftung: »Truhe aus dem 13. Jahrhundert, in der in der Burg Ray das Grabtuch Christi aufbewahrt wurde, das Othon 1206 von Konstantinopel mitbrachte.« 1349 verschwindet es auf mysteriöse Weise, wird durch eine schlechte Kopie ersetzt. 

1355-1453 Lirey

1355 
Als Othon de la Roches Großnichte Jeanney de Vergy den Ritter Geoffrey de Cherny heiratet, wird erstmals das sogenannte »Turiner Grabtuch« in Lirey gezeigt.

1389 
Die Ausstellung des Grabtuchs in Lirey durch Geoffrey II. stößt auf heftigen Widerstand des Bischofs von Troyes, der es für eine Fälschung hält. Papst Clemens VII. erlaubt, es weiterhin zu zeigen und droht dem Bischof mit Exkommunikation, sollte dieser seine Behauptung wiederholen.

1453-1578 Chambery

1453 
Das Grabtuch wird an das Haus Savoyen verkauft und fortan in der Sainte Chapelle der Residenz in Chambery verwahrt und verehrt.

1532
Bei einem Feuer in der Sainte Chapelle von Chambery wird das Grabtuch gerade noch aus den Flammen gerettet; es bleiben auffällige Brandfl ecken

1578-heute

1578
Das Grabtuch wird in die neue Hauptstadt des Savoyerreiches, nach Turin, überführt, wo ihm zwischen Dom und Residenz eine eigene Kapelle errichtet wird.

1898
Anläßlich einer Grabtuchausstellung erhält Secondo Pia erhält als Erster die Erlaubnis, das Grabtuch zu fotografi eren und entdeckt den Negativcharakter seines Bildes. Daraus wird eine neue Wissenschaft geboren, die Sindonologie.

1978
40 Amerikanische und italienische Top-Wissenschaftler sammeln fünf Tage lang mit modernsten Instrumenten Daten, die in den nächsten Jahren ausgewertet werden.

2010 
Zur vorerst letzten Grabtuch-Ausstellung kommen 2,3 Millionen Pilger, unter ihnen Papst Benedikt XVI., nach Turin.

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